Büchermachen ist kein gepflegtes Hobby oder eine esoterische Beschäftigung, es verlangt kaufmännisches Handeln nach geltenden Marktprinzipien. Ins Bewusstsein dringt es wenigen, dass es auf dem Buchmarkt außer Papier und Druckkosten auch so etwas wie Entwicklungskosten gibt. Die nachfolgenden Aktivitäten sind vielschichtig und zeitaufwendig. Wenn man ein Manuskript ins Programm nimmt, wollen 20 andere gelesen werden. Der ausgewählte Titel verlangt ein sorgfältiges Lektorieren. Die Typographie muss entschieden, Satzproben gemacht und die Gestaltung des Covers geklärt werden. Layouts sind zu erstellen, Bildrechte zu beschaffen, Angebote einzuholen. Es gibt Verhandlungen mit Druckereien und Buchbindern, bevor die technische Herstellung des Buches beginnt. Weitere Schritte sind Terminüberwachung, Lesen der Korrekturfahnen, Versand der Bücher, Werbe- und Pressearbeit. Das ist das tägliche Geschäft, von dem man allgemein keine Vorstellung hat.

Dominiert wird der Markt durch Großkonzerne, die mit marktwirtschaftlichem Killerinstinkt andere Verlage an die Wand drücken oder kaufen und damit deren Identität verwässern. Zum Glück macht diese Fusionitis mit ihrer nivellierenden Gleichmacherei vor kleineren Verlagen Halt, denn die sind für sie uninteressant mit ihren eigenen Schwerpunkten, die für kleinere Lesezielgruppen gedacht sind. Es sind gerade diese kleinen Verlage, die Farbe in die Szene bringen. In ihrem Umfeld finden Autoren noch eine verlegerische Heimat. Den Verlegern geben diese persönlichen Kontakte das Gefühl, gebraucht zu werden, denn in Gesprächen reden Autoren über die Entstehung ihrer Texte, über zwischenmenschliche Beziehungen oder politischen Frust, über Baumsterben oder Begeisterung für irgendetwas. Verständnis des Verlegers zu seinen Autoren bedingt dann auch die Treue der Autoren zu ihrem Verleger. Das klingt altmodisch, aber es stimmt und ist das eigentliche Brot, von dem wir leben.